Nun sind wir also soweit in den Süden gefahren, dass die echte, richtige, wahrhaftige, größte Sandwüste der Erde namens Sahara nur noch eineinhalb nordafrikanische Autostunden entfernt ist. Ich spreche von der Art Wüste in der es im Jahr maximal 250 mm Niederschlag gibt. In manchen Jahren sogar gar keinen. Nur heute, an diesem Tag im Mai 2015 als zwei Schwaben samt griechischem Importwauzi hier vorbeikommen schüttet es wie aus Kübeln. Pah, Überraschung! Und ich hab meinen Kumpel belächelt als er mir vorgeschlagen hat die Scheibenwischer doch noch zu erneuern: “Ach was, wir fahrn im Sommer nach Marokko, da regnet’s eh nie!”

Ein kleiner Exkurs in die Praxis:
Wenn in Marokko ein Flussbett (welches fast immer trocken ist) nicht tiefer als 1,50m ist nimmt man anstatt einer Brücke mit rauem Teer der Körnung -2500 hier halb so groben Stahlbeton und formt eine dem querenden Flussbett angepasste Kuhle. Man fährt also im vollen Galopp runter ins Flussbett, drüber und schanzt hoch. Und wenn dann das Regenwasser knöcheltief auf dem Stahlbeton steht dann ist der Nachteil der alten Scheibenwischer… marginal!

Tina ist inzwischen an die Gepflogenheiten auf den Straßen hierzulande so gewöhnt, dass statt einem “Pass auf!” nun ein freudiger Jauchzer zu hören ist…man denke an ein Kind welches freudig in eine Pfütze hüpft… Nur als links am Horizont ein dunkelgraues Band aufzieht welches sich recht zügig nach rechts, also in Richtung Straße bewegt wird’s auf dem Beifahrersitz plötzlich unruhig: Ein Sandsturm bahnt sich seinen Weg durch die Prärie. Obwohl wir rechts ranfahren bevor wir richtig drin sind drückt der Wind den Sand durch jede Ritze und jeden Spalt. Ich stelle die Zündung an und lasse beide Gebläse auf Umluft in Stufe drei laufen um überhaupt irgendwas zu unternehmen. Ob der Gegendruck wirklich was bringt…keene Ahnung!?

Am Erg Chebbi angekommen finden wir hinter einer Gruppe Palmen etwas Windschatten und kraxeln totmüde in unser Bett.

Sandsturm auf dem Weg nach Merzouga

Sandsturm auf dem Weg nach Merzouga

Warten bis der Sandsturm vorbei ist

Warten bis der Sandsturm vorbei ist

Kamelherde auf dem Weg in den Süden

Kamelherde auf dem Weg in den Süden

Um fünf Uhr früh klingelt bereits wieder der Wecker. Bewaffnet mit drei Kameras und Stativ wandern wir zügigen Schrittes immer höher die Dünen hinauf. Wir wollen den Sonnenaufgang auf keinen Fall verpassen. Wir erklimmen eine Dünenspitze mit schönem Rundumblick und warten. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt – die Stimmung ist gigantisch schön. Das zuerst noch schwache bläuliche Licht verdrängt den Nachthimmel und hüllt die schier unendlichen Dünenkämme in gleißendes Licht. Über alle Rot- und Orangetöne bis zum reinsten gelb reicht das Spektrum bis die Sonne hoch genug steht und letztendlich den neuen Tag erweckt.

Da wir quasi allein am Fuß der Düne unser Camp aufgeschlagen haben genießen wir unser Frühstück wie vor der schönsten Fototapete. ..und da auch große Jungs noch gern spielen und der größte Sandkasten der Welt einen Steinwurf entfernt ist, darf unser Franz mal wieder zeigen welche Offroad-Qualitäten sein Allradantrieb besitzt.

Ein weiteres Highlight hier am Rande der Sahara ist ein Zeitsee der – wie der Name schon sagt- nicht das ganze Jahr existiert. In den Sommermonaten trocknet er meist ganz aus. Das tiefe blau des Wassers mit der Spiegelung der Dünen sieht einfach toll aus. Die holprige Anfahrt über kilometerlange Wellblechpisten hat sich gelohnt! Die Rückfahrt geht ruck zuck, wenn man sich nur getraut hat das Fahrzeug auf knapp 70 km/h zu beschleunigen. So fliegt man Quasi von Wellenspitze zu Wellenspitze.

Sonnenaufgang am Erg Chebbi

Sonnenaufgang am Erg Chebbi

Sahara-Breakfast

Sahara-Breakfast

Die Dünen des Erg Chebbi

Die Dünen des Erg Chebbi

Spielen im Sand

Spielen im Sand

Tough Life!

Tough Life!

Der Jasmina Zeitsee

Der Jasmina Zeitsee